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09.10.2008 "Erklärung zur Wissensregion FrankfurtRheinMain" Unterzeichnung zu Beginn des Wissenschaftsforums der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain Am Donnerstag, den 9. Oktober 2008, haben sich rund 340 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main versammelt, um die „Erklärung zur Wissensregion FrankfurtRheinMain“ [PDF 1.300kb] zu unterzeichnen. Mit der Erklärung zur Wissensregion FrankfurtRheinMain wird die besondere Bedeutung von Bildung und Wissen, Forschung und Innovation für die Entwicklung der Region unterstrichen. Der Hessische Staatsminister Jürgen Banzer, Staatssekretär Michael Ebling, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz, und Ministerialdirigent Dr. Wolfgang Zeitler, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, vertraten bei der Unterzeichnung die Bundesländer Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Für die sechs Universitäten und die Hochschulen der Wissensregion unterzeichneten die Präsidenten bzw. Vizepräsidenten die Erklärung. Für die Unternehmen wurde die Erklärung von den Vorständen der Lufthansa AG, Merz GmbH & Co. KGaA, Miebach Consulting, Rolls-Royce Deutschland Ltd & Co KG, Schenker Deutschland AG, Software AG und anderen unterzeichnet. Für Forschungsinstitute und Museen unterzeichnete unter anderem Prof. Dr. Hartmut Michel, Nobelpreisträger und Direktor des Max-Planck-Instituts für Biophysik. Ebenfalls unterschrieben wurde die Wissenserklärung von Regierungspräsidenten, Landräten, Oberbürgermeistern sowie Repräsentanten von Verbänden, Kammern und Organisationen, die Wirtschaft und Beschäftigte, Wissenschaft und Bildung vertreten sowie vielen anderen. Die Wissensregion FrankfurtRheinMain bietet schon heute eine außergewöhnliche Konzentration von Kunst und Kultur und eine reiche Wissenslandschaft. Innovationskraft, Kreativität und Dynamik, eine lebendige und hoch differenzierte Wissenschaft sowie eine internationale und zukunftsfähige Wirtschaft sind ihre Stärken. Die Unterzeichner dokumentieren öffentlich, dass sie sich dafür einsetzen, FrankfurtRheinMain im nationalen und internationalen Wettbewerb nach vorne zu bringen. Sie engagieren sich für die weitere Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, die Förderung und die Stärkung der Exzellenz in Bildung und Lehre ebenso wie für die Gestaltung des Lebens und Arbeitens in einer attraktiven Region. Wenn Sie sich zu den Zielen der Wissenserklärung bekennen und diese ebenfalls unterschreiben möchten, verwenden Sie bitte diese Datei [PDF 1.156kb] und schicken Sie sie uns ausgedruckt und unterschrieben zu. |
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Ort: Deutsche Nationalbibliothek, Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main
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Unterzeichnung der Erklärung durch
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Musikalische Begleitung: Es spielt das Posaunenquartett der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Frankfurt am Main |
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Dr. Bernhard von Mutius "Wissen und Zukunft - Neues entsteht an den Grenzen" anlässlich der Unterzeichnung der Erklärung zur Wissensregion FrankfurtRheinMain |
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Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist mir eine Freude und eine große Ehre, heute zu Ihnen zu sprechen. Anlässlich dieser, so bedeutsamen Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zur Wissensregion FrankfurtRheinMain. Ich finde es bewundernswert, dass Sie daran gehen, das vielfältige Wissen der Region zu vernetzen ... Sie sind ja alle selbst sozusagen Sachverständige in Sachen Wissen und Wissensgesellschaft. Sie wissen, dass Wissen mehr ist als angehäufte Informationen. Und dass Können noch etwas anderes ist als angehäuftes Wissen. ... Warum also sich wechselseitig als Wissende weiter bestätigen? Wäre es nicht gerade in dieser Zeit der Ungewissheit und der turbulenten Umbrüche viel spannender, über unser Wissen und Nichtwissen neu nachzudenken und Dinge zu denken, die noch nicht gedacht wurden? ... Und genau darüber möchte ich mit Ihnen sprechen: Über eine bestimmte Art zu denken, das heißt mit unserem Wissen unter Einschluss des Nichtwissens vielleicht etwas verständiger umzugehen. Ich möchte darüber sprechen, warum dieses Denken hilfreich sein könnte für die Lösung von Problemen und die Entwicklung von Neuem. Und warum wir dabei an Grenzen gehen müssen. „Geistig bis an seine Grenzen gehen“, wie Paul Valery sagen würde. ... Erstens: Das Andere denken oder: auf das Unwahrscheinliche gefasst sein ... unser ganzes Leben, unsere Geschichte, die Entwicklung von Technik, Wirtschaft und Politik sind ganz wesentlich von dem Auftauchen schwarzer Schwäne geprägt, von Ereignissen, die niemand oder kaum jemand auf der Rechnung hatte. Die aber später die Entwicklung ganz wesentlich bestimmten oder immer noch bestimmen. ... Es scheint, dass unsere Zeit des Wandels und der damit verbundenen zunehmenden Komplexität besonders anfällig für schwarze Schwäne ist. Wir tun jedenfalls gut daran, uns darauf einzustellen. Und wenn wir das tun, hat das Folgen. Es hilft zum einen, unsere üblichen Innovations-Planungs-Rituale in Frage zu stellen und mehr in Alternativen zu denken. ... Denn könnte es nicht sein, dass wir nach Indien aufbrechen, um schließlich Amerika zu entdecken? ... Es hilft zum anderen, den Kreis der Gewohnheiten zu durchbrechen. Das heißt: Räume schaffen für das Unerwartete in unseren Köpfen und in unseren Organisationen. Räume, in dem wir scheinbar unmögliche Entwicklungen denken lernen. Gleichsam als Trainingslabore für das Aufspüren von Neuem. Es geht darum, bis an die Grenzen, die Grenzen des Vorstellbaren und bislang Gewussten, zu denken: Denn nur wer darin geübt ist, wird in der Lage sein, das Neue zu ergreifen, wenn es tatsächlich vor einem steht. To be prepared for the unexpected! Oder, wie es Pasteur einmal formuliert hat: „Nur den vorbereiteten Geist begünstigt der Zufall.“ Zweitens: In Beziehungen denken oder: die spannendsten Dinge passieren zwischen den Sektoren ... Das Gehirn ist vermutlich das komplexeste Gebilde, das wir kennen. Und es funktioniert gerade deshalb als Quelle von Innovationen so gut – Ausnahmen bestätigen die Regel. ... Aber warum ist das Gehirn in seiner Komplexität so extrem leistungsfähig? Nun, nach allem, was wir aus der Hirnforschung wissen, zum einen deshalb, weil es von hoher Plastizität, also lernfähig ist. Es wächst sozusagen mit, wenn wir es wachsend beschäftigen. Zum anderen deshalb, weil es weitgehend selbst organisiert und hochgradig vernetzt arbeitet ... Unser Gehirn funktioniert deshalb so gut, weil die Verknüpfungen (die wir hier nicht sehen) wichtiger als die Teile sind, weil etwas zwischen den Neuronen funktioniert, „in between“ – elektrische, chemische, möglicherweise auch rhythmische Verbindungen, Vernetzungen, Beziehungen. Auf den Punkt gebracht heißt das: „The link is more important than the thing“, so Bernard Cova (was nicht nur für das Gehirn, sondern wahrscheinlich für alle hochgradig vernetzten Systeme gilt). Im übertragenen Sinne meint das: Wir müssen lernen, in Beziehungen zu denken. Das „in between“, das „Dazwischen“, zwischen den Objekten, zwischen den Sektoren und Disziplinen, das „Inter“ und das „Trans“ sind die spannendsten Orte bzw. Nicht-Orte für das Entstehen von Neuem, an denen es „funkt“, im wörtlichen und übertragenen Sinne. Sind wir uns dessen wirklich schon überall bewusst? ... Drittens: Wissen durch Teilung und Kombination mehren ... mit den immateriellen Gütern hat es eine höchst eigentümliche Bewandtnis, die sie fundamental von materiellen Gütern unterscheidet: Wissen und Ideen werden nicht weniger, wenn ich sie weggebe und mit Anderen teile, sondern – bei richtigem Gebrauch – mehr ... Das ist vermutlich das Kernthema für jede Region, die sich im globalen Wettbewerb der Wissensregionen, der eigentlichen Olympiade der Zukunft, behaupten will ... Doch das funktioniert nur, wenn wir aus unseren Abteilungen, aus unseren Fach- und Ressortbarrieren ausbrechen und lernen, grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten. ... Denn wo und wie entsteht Neues? Neues entsteht an den Grenzen und nur dort. Durch achtsame Grenzüberschreitung und gekonnte Kombination. Jeder kreative, schöpferische Akt verläuft auf diese Weise. Durch Vereinigung von bislang Getrenntem ... Diese, wie ich es bezeichne, „kombinatorische Intelligenz“ ist heute ein Schlüssel für das Gelingen fast aller Innovationsprozesse auf fast allen Märkten. Das Muster heißt: kreative Kombination: von der Mikro-System-Technologie über die Biotechnologie bis hin zu den Computer- und Netztechnologien und ihren praktischen Anwendungen – denken Sie an das Handy mit seinen mehrfach kombinierten Funktionen. Und kreative Kombination heißt immer auch disziplinübergreifende Kooperation ... Schluss: ... Wer in dieser komplexen Welt verständig Neues entwickeln will, kann dies nicht allein. Wir brauchen das Wissen Anderer, als Korrektur und Ergänzung, wenn wir verantwortlich neue Lösungen entwickeln wollen. ... Lassen Sie mich in diesem Sinne drei Wünsche äußern: Erstens: Haben Sie den Mut, sich Ihres eigenen Verstandes und des der Anderen zu bedienen. Der Anderen jenseits der Grenze ihres Wissens und Weltverständnisses. Dies scheint mir heute eine notwendige Ergänzung des berühmten, nicht mehr alleine hinreichenden Satzes des großen Königsberger Philosophen zu sein (wenn wir in dieser Zeit noch ein paar Dinge aufklären wollen). Ich meine das ganz grundsätzlich, aber auch in eher praktischer Hinsicht. Zweitens: Schaffen Sie Räume und Formate, die die Begegnung mit den Anderen jenseits der Grenze tatsächlich praktisch ermöglichen. (Das können übrigens durchaus Orte für eher informelle Begegnungen sein. Oft entstehen grade hier selbst organisiert die besten Ideen, wie etwa in der Cafeteria des EMBL in Heidelberg ...) Drittens: Schaffen Sie neue Räume und innovative Formate auch an den Grenzen zu jenen Gebieten, auf denen die nicht-exakten Wissenschaften, die Künste und die Philosophie zu Hause sind – sind diese doch seit Jahrhunderten wichtige Quellen der Phantasie und Neuheit ... Ich danke Ihnen und wünsche der Wissensregion ein gutes Gelingen in einer guten Zukunft. | |
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